Hochverabreitete Lebensmittel: Je veganer, desto gesünder!

Illustration: Lebensmittellabor, Hochverarbeitete Lebensmittel, mithilfe von KI erzeugt

Ein gängiges Argument, das bei sogenannten Fleischersatzprodukten schnell in der Diskussion genannt wird, ist die generelle Schädlichkeit von „hochverbeiteten Lebensmitteln“. Viele konservative Medien, wie Bild, Die Welt udn Focus, verbreiten dieses Narrativ in einer ziemlich simplen Argumentation: 

Diese Ersatzprodukte gehören alle zur Klasse der hochverarbeiteten Lebensmittel (Ultra Processed Foods, UPFs). Die Lebensmittel dieser Gruppe seien gesundheitlich bedenklich, da sie sehr viele Inhaltsstoffe enthalten. Also sind auch pflanzliche Alternativprodukte schädlich. 

Diese Schlußfolgerung ist allerdings banal. Um mehr als ein Narrativ, das einfach überprüft und widerlegt werden kann, handelt es sich dabei nicht.

Was ist dran am Narrativ der hochverarbeiteten Ersatzprodukte?

Was die genannten Medien in ihrer Argumentation nicht berücksichtigen:

1. Die Produkte, die ersetzt werden, gehören in der Regel ebenfalls zu der Gruppe der hochverarbeiteten Lebensmittel

2. Pflanzliche Produkte in dieser Gruppe sind gesundheitlich kaum bedenklich, im Gegensatz zu hochverarbeiteten tierischen Produkte

Viele Zutaten, schlecht für die Gesundheit?

Denn: Es kommt nicht allein auf die Länge der Zutaten an, sondern auf die Auswahl der Zutaten. Ein kurze Überlegung legt das bereits nahe. Auch Vollkornbrot gehört beispielsweise in diese Gruppe von Lebensmitteln. Das als gesundheitlich bedenklich zu definieren, fällt Bild, Welt, Focus und Co. bisher noch nicht ein. Weshalb also die pflanzlichen Alternativprodukte? Man könnte hier eine Absicht unterstellen. Oder geben Sie unreflektiert Pressemitteilungen von Agrarverbänden weiter?

Wie sieht es mit Wurstprodukten aus? Sie enthalten neben dem, was bei der Fleischherstellung übrig bleibt, viele schädliche Pökelsalze, Farbstoffe und Konservierungsmittel, die schädlich für die Herzgesundheit sind.

Nicht wie viel, sondern was drin ist, darauf kommt es an!

Eigentlich logisch, nicht auf die Länge der Zutatenliste kommt es an, sondern auf die Art der Zutaten. Aber das hätte uns Verbraucher*innen eigentlich auch der gesunde Menschenverstand sagen können. Ergänze ich beispielsweise Vitamine und gesunde Pflanzenfasern zu einem Produkt, wird es kaum gesundheitsschädlicher sein, als ohne diese, obwohl die Liste der Inhaltsstoffe dadurch um einen weiteren Punkt länger wird. 

Und was die Fleischprodukte angeht: Vermutlich hinhterfragen Mischköstler*innen ungern, was im Leberkäse, der Fleischwurst und der Blutwurst so alles drin ist. Offenbar glauben sie aber gern an die Narrative, die konservative Medien und Bauernverbände über sogenannte Ersatzprodukte verbreiten. So bleibt das Gewissen beruhigt. Man kann seiner ungesunden Gewohnheit treu bleiben und sinnvolle Alternativen weiterhin meiden.

Wissenschaftlich belegt:
Hochverarbeitete Lebensmittel sind in der Regel gesundheitlich unbedenklich, wenn es sich um rein pfanzliche Produkte handelt.

Wissenschaftlich belegt

Doch nicht nur der gesunde Menschenverstand legt uns nahe, dass die pflanzlichen Alternativen gesünder sind als Wurst und Frikadelle. In einer Langzeitstudie, die 2023 publiziert wurde, untersuchen Reynalda Cordova und andere den Zusammenhang zwischen dem Konsum von UPFs (ultra-processed foods) und mehreren schweren Krankheiten, wie verschiedenen Krebsformen und Diabetes. Die Studie entstand in einer einer Kooperation der International Agency for Research on Cancer (IARC-WHO), Lyon, France und dem Department of Nutritional Sciences, University of Vienna und wurde im Magazin The Lancet – Regional Health Europe publiziert. 

Das erstaunliche Ergebnis: Am stärksten förderte der Verzehr von hochverarbeiteten tierischen Lebensmittel das Risiko einer Multimorbität, also Mehrfacherkrankung, an den untersuchten Krankheiten. Signifikant höher war diese bei hohem Verzehr von tierischen UPFs und gezuckerten Limonaden, hingegen signifikant niedriger bei hohem Konsum von pflanzlichen Alternativprodukten, Brot und Getreideprodukten. Diese kann man also wissenschaftlich belegt als gesundheitsförderlich bezeichnen.

Bedauerlich, dass sich das Narrativ, es sei genau anders herum, hartnäckig halten. Haben die Bauernverbände damit Ihr Ziel der Verunsicherung damit erreicht?

 

Was sind eigentlich hochverarbeitete Lebensmittel (UPF)​

Der Begriff hochverarbeitete Lebensmittel ist eine Kategorie der Lebensmittelkennzeichnung NOVA, die Lebensmittel in vier Kategorien einteilt. Von Stufe 1, unverarbeitete Lebensmittel, bis Stufe 4 hochverabreitete Lebensmittel. Letzztere haben viele Verarbeitungschritte durchlaufen, enthalten viele Zutaten und Zusatzstoffe, dazu gehören bespielsweise Kartoffelchips, Tiefkühlpizza, Softdrinks und Tütensuppen. Sie werden industriell gefertigt, sind in der Regel lange haltbar und sofort verzehrfertig.

Weiterführende Lektüre:

Artikel von Prof. Martin Smollich vom Institut für Ernährungsmedizin: Hochverarbeitete Lebensmittel: „Fleischalternativen haben ein gutes Nährwertprofil“, veröffentlicht am 20. November 2023 auf vegconomist.de. Dort verweist er ebenfalls auf die Studie von Cordova et al., aber auch auf weitere Studien, die bereits früher ähnliche Ergebnisse ermitteln konnten.
 

Studie: „Consumption of ultra-processed foods and risk of multimorbidity of cancer and cardiometabolic diseases: a multinational cohort study“, The Lancet – Regional Health Eurpope, 13.11.2023

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